Mein Roman „Aga“ ist in das Kooperationsprojekt zur Großen Landesausstellung „Mittendrin – Jüdisches Leben im Südwesten“ aufgenommen worden. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg koordiniert dieses landesweite Programm, das vom 15.10.2026 bis zum 9.1.2028 läuft und Kommunen, Museen, Gedenkstätten, Schulen, Kulturzentren und Vereine in Baden-Württemberg miteinander vernetzt – von Ausstellungen und Vorträgen bis zu Lesereisen.
Meine Lesung aus „Aga“ ist damit eine der Veranstaltungen, die im Rahmen dieser Kooperation stattfinden können.
Wer Interesse hat: Museen, Gedenkstätten, Schulen, Kulturzentren, Vereine und andere Veranstalter in Baden-Württemberg können mich im Rahmen des Projekts einladen. Die Teilnahme ist Teil der Kooperation mit dem Haus der Geschichte – für Veranstalter bleibt der organisatorische und finanzielle Aufwand entsprechend gering.
Vom 3. bis zum 20. Juni 2027 bin ich auf jeden Fall in Baden-Württemberg. Anfragen für diesen Zeitraum sind besonders unkompliziert.
So gastfreundlich wie in der Synagoge der liberalen Gemeinde HaKochav in Unna wird man selten empfangen. Im Ruheraum Backstage gab es erst einmal Kaffee und Kuchen, bevor der ehemalige Bundestagsabgeordnete, der Buchhändler Michael Sacher mich dem Publikum vorstellte. Unter einem von der Decke flimmernden Sternenhimmel und vor dem schönen Thoraschrank durfte ich dann in der modern, klar und zugleich anheimelnd gestalteten Unnaer Synagoge aus „Aga“ lesen. Eingeladen hatte mich die Gemeindevorsitzende Alexandra Khariakova, gekommen sind nicht nur Mitglieder der von ihr vor neunzehn Jahren gegründeten Gemeinde, sondern auch weitere sehr aufmerksame Zuhörer. Das Gebäude, so erzählte sie mir beim anschließenden Abendessen mit Borschtsch und Fisch, hat die evangelische Gemeinde zur Verfügung gestellt. Und auf Nachfrage verriet sie dann auch noch, dass der in der Hilfe für Geflüchtete (jeglicher Herkunft) sehr engagierten Gemeinde eine große Ehrung bevorsteht. Kommenden Monat nämlich erhält Alexandra Kharikova das Bundesverdienstkreuz.
Im Gespräch mit dem Publikum kamen wir auf den in den letzten Jahren so erschreckend angewachsenen Antisemitismus zu sprechen. In Unna jedenfalls, so versicherte mir Frau Khariakova, fühle die jüdische Gemeinde sich wohl und angenommen.
Dazu ein Zitat aus „Aga“:
„Wie man eine Kerze anzündet, lerne ich von Rena. Es macht nichts, wenn der Luftzug sie wieder ausbläst. Du musst sie einfach nochmal anzünden. Immer und immer wieder. Und wenn du dein Leben mit nichts anderem verbringst.“
Der Salon Freiraum in Köln-Sülz ist ein Ort, dem ich in besonderer Weise verbunden bin: Dort hat mein erster Lyrikband „Fluchtzustand“ seine Premiere gefeiert, gemeinsam mit Anke Glasmachers Band „Ein morsches Licht“. Nun bin ich zurückgekehrt ich – nicht mit Lyrik, sondern mit Prosa.
Anke Glasmacher hat den Abend moderiert. Wir haben darüber gesprochen, ob autofiktionales Schreiben den Rau enger mache und wie ich entscheide, welcher Textimpuls zum Hörspiel und welcher zum Roman wird.
Der Freiraum ist kein Veranstaltungsort im üblichen Sinn: Galerie, Podium, Salon – das Kölner Veedel Sülz hat hier seit Jahren einen Raum, in dem Kunst nicht dekoriert, sondern verhandelt wird.
Selbstgebastelte Papierschiffchen und Osterglocken – an einem so liebevoll dekorierten Tisch habe ich noch nie gelesen. Und nicht nur das Ambiente, auch die Stimmung im Köttinger Dorfladen war aufmerksam und zugewandt, als ich dort an diesem frühen Frühlingsabend meinen Roman „Aga“ vorstellte.
Zwischen den Lesungsblöcken schilderte Simone Scharbert ihre Leseeindrücke, was auch für mich eine Bereicherung war. Wie sehr meine Texte immer wieder von konkreten Gegenständen ausgehen und dadurch die eigenen Erinnerungen des Lesenden oder Zuhörenden aufzurufen vermögen, beobachtete sie etwa. Und im gemeinsamen Gespräch mit dem Publikum erschlossen wir auch die Wirkung der Kinderperspektive. Was Aga nicht weiß, fügt der oder die erwachsene Lesende aus der eigenen Erinnerung hinzu und gestaltet so die Romanhandlung mit. Das ermöglicht jedem und jeder Einzelnen in der Imagination auch der schmerzlichen und der schrecklichen Passagen gerade nur so weit zu gehen, wie man es auch erträgt.
Als Lyrikerin sprachen Simone Scharbert besonders Agas poetisch-philosophische Reflexionen über das Sprachenlernen an. So wünschte sie sich zum Abschluss der Lesung eine Zugabe daraus. Mich wiederum beglückte, dass sich das Publikum trotz der Ernsthaftigkeit des Themas immer wieder auch zu einem Lächeln oder gar Lachen anregen ließ.
Rund um die Lesung lernte ich zudem, dass der Köttinger Dorfladen kein Bioladen ist, als der er auf den ersten Blick erscheint, sondern ein gemeinnütziger Verein. Seine Mitglieder haben sich die Schaffung eines sozialen und kulturellen Treffpunktes zur Aufgabe gemacht. Es gibt dort also nicht nur Lebensmittel, Kaffee und Mittagstisch, sondern auch ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm.
Mich erinnerte das Konzept an die Besuche bei meiner Großtante in einem Vorort von Tel Aviv. Wenn sie mich auf ihre tägliche Tour zu Bäcker, Metzger und Gemischtwarenladen mitnahm, konnte das Stunden dauern, weil sie in jedem Laden wieder weitere Freundinnen traf. Ich war damals ein Kind und habe nicht darüber nachgedacht, wie wertvoll das ist. An diesem Abend in Erftstadt schon.
Ich freue mich sehr über die Einladung zur Kulturwoche in Erftstadt. Kommenden Montag, den 23. März 2026 werde ich dort um 19 Uhr mit meinem Roman „Aga“ im Köttinger Dorfladen zu Gast sein. Der Eintritt ist frei.
Eine besondere Freude ist es für mich auch, dass die Autorin Simone Scharbert meine Gastgeberin sein wird. In ihren Texten widmet sie sich immer wieder den Biografien von Frauen, die sich mit diskriminierenden Zuschreibungen auseinandersetzen mussten. Ich bin gespannt auf unser Gespräch über „Aga“, über die gesellschaftlichen Hintergründe des Romans und vielleicht auch über das Schreiben selbst.
Veranstaltet wird der Abend vom Verein Köttinger Dorfleben im Rahmen der Kulturwoche, mit der das Netzwerk „kult-ig“ sein zehnjähriges Bestehen feiert.
Ausschau halten nach Publikum musste Adrian Kasnitz nicht, denn das Kölner Theater „die wohngemeinschaft“ war voll – und das Publikum mucksmäuschenstill, bis auf die Lacher an den richtigen Stellen, natürlich. Und bei Peter Rosenthals Prosaband „Donnerstags“ gab es solche genug. Ein Jahr lang schrieb der Arzt und Schriftsteller jeden Donnerstag eine literarische Notiz. Und da er an diesem Tag eine Konsiliarstelle in einer Kölner psychiatrischen Klinik hat, fuhr er an fast jeden Donnerstag dieselbe Strecke, mal mit dem Fahrrad, mal mit der Bahn – aber immer vorbei an dem Baum, in dem die Kölner Sittichkolonie sich bevorzugt niederlässt. „Papageien“ nennt er sie in seinem Journal, und korrigiert sich erst fast am Schluss. Und das gehört zum Konzept, denn es geht um die höchst eigene Perspektive des Schreibenden auf eine Welt, die an diesen Donnerstagen vornehmlich aus Menschen besteht, die auf die ein oder andere Weise aus eben dieser Welt gefallen sind.
Eine eigene Perspektive hat auch Aga, die Hauptfigur meines gleichnamigen Romans, aus dem ich an diesem schönen Kölner Vorkarnevalsabend in der „wohngemeinschaft“ gelesen habe. Ob die Entdeckungen über meine Familiengeschichte weitergehen, fragte mich Adrian anschließend. Und ja, das tun sie, denn der Gedichtband, an dem ich derzeit arbeite, wird nicht nur die archäologische Ausgrabung des Kölner Judenviertels zum Thema haben, sondern in einem zweiten Strang auch die Erkundung eigener Fundstücke aus Archiven und Erzählungen. Wie verändert es die eigene Identität, wenn man unerwartete Tatsachen über die Vorfahren erfährt? Kommenden Herbst wird der Gedichtzyklus „Schieferbruchverse“ im Gans-Verlag erscheinen. Ob Adrian mich damit dann noch einmal in seinen Literaturclub einlädt? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen.
Zum Literaturclub lädt der Lyriker Adrian Kasnitz allmonatlich je zwei Autoren oder Autorinnen ein, die nicht nur mit dem Moderator und dem Publikum, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen können.
Als Schreibende haben wir uns schon während des Studiums in Köln kennengelernt. „Herr K.“ hat mittlerweile über 15 Lyrikbände vorgelegt und ist zudem nicht nur als Verleger, sondern auch als Übersetzer, Berater, Veranstalter und Literaturvermittler unermüdlich unterwegs. Seit nunmehr 26 Jahren bietet er mit dem unabhängigen Kölner Verlag parasitenpresse „einen sicheren Ort für literarische Wagnisse“, wie es in der Begründung der Jury hieß, die ihm im vorletzten Jahr den Spitzenpreis des Deutschen Verlagspreises zuerkannte.
Das war ein intensiver Lese- und Gesprächsabend im schönen Hoffnungsthal. Da so aufmerksame Publikum hatte nicht nur viele Fragen zum Roman „Aga“ und seinem historischen Hintergrund, viele teilten darüberhinaus eigene Beobachtungen, Erlebnisse und Familiengeschichten. Gastgeber Matthias Buth kam auch auf meine Gedichte zu sprechen, verglich sie mit Giuseppe Ungarettis Lyrik und beschenkte mich mit zwei Texten von Stanisław Jerzy Lec. Blumen vom Vorstand des Philomena-Franz-Forums kamen dazu. So fuhr ich also vielfach bereichert nach Hause.
Seit nunmehr vierzig Jahren lädt der Lyriker und Essayist Matthias Buth zu den Rösrather Literaturgesprächen. Hilde Domin, Erich Loest und Hans Bender gehörten ebenso zu seinen Gästen wie Peter Maiwald, Guy Helminger, Dieter Wellershoff, Norbert Scheuer und viele weitere Autorinnen und Autoren sowie Filmschaffende aus Deutschland, dem Libanon, Griechenland, Peru – die Liste ließe sich lange fortsetzen.
Besonders nachhaltig geprägt hat die Reihe Philomena Franz. Die Sintiza und Auschwitz-Überlebende trat zeitlebens unermüdlich als Zeitzeugin und Autorin auf und wurde 2021 als Ehrenbürgerin der Stadt Bergisch Gladbach gewürdigt. Nach ihr ist die Veranstaltungsreihe seither benannt. Zu einer Lesung im Rahmen des Philomena-Franz-Forums eingeladen worden zu sein, ist mir eine Ehre.
Bettina FischerTerry AlbrechtAgnieszka LessmannBüchertisch mit Christoph Danne von der Buchhandlung Bittner
Während Moderator Terry Albrecht und ich uns in der Bibliothek noch ein wenig unterhielten, kam die Nachricht: Ausverkauft – und es warten immer noch Leute vor der Tür!
Glücklicherweise fand am Ende doch noch jeder einen Platz, wenn auch halb im Nebenraum.
Umso beeindruckender war die konzentrierte Aufmerksamkeit im Saal. Terry Albrecht führte mit großer Gelassenheit durch den Abend, stellte kluge Fragen und eröffnete dem Gespräch eine schöne Weite. Als er „Aga“ schließlich sogar zu seinem „Buch des Jahres“ erklärte, war das ein Moment, den ich nicht vergessen werde.
Was mich besonders berührte: die vielen Menschen, die mir von ihren Kindheits- und Migrationserlebnissen erzählten, während ich ihre Bücher signierte.
Restlos ausverkauft war schließlich auch der Büchertisch, den Christoph Danne von der Buchhandlung Bittner aufgebaut hatte.
Mein herzlicher Dank gilt Bettina Fischer und dem Team des Kölner Literaturhauses, Terry Albrecht, Verleger Ulrich Leinz – und allen, die gekommen sind und diesen Abend zu einer ganz besonderen Buchpremiere gemacht haben.