Schieferbruchstücke
Eine zweifache Ausgrabung –
Lyrik und Essay zum jüdischen Köln

Auf den Schieferschindeln aus dem mittelalterlichen jüdischen Viertel übten Kölner Kinder vor fast siebenhundert Jahren das hebräische Alphabet; eine der Tafeln trägt die Zeilen eines Ritterepos. Von solchen Funden geht dieser Abend aus und folgt ihnen durch die Zeitschichten der Stadt – von der Erstnennung der Synagoge im 11. Jahrhundert über das Pestpogrom von 1349 bis in die Gegenwart.
Die Lyrikerin Agnieszka Lessmann und der Autor Frank Olbert legen im Oktober 2026 zwei Bücher vor, die jeweils eigenständig sind und doch zusammengehören: den Gedichtband „Schieferbruchverse“ und den historischen Essay „Das verschwundene Viertel“.

Der Gedichtzyklus „Schieferbruchverse“ erzählt von zwei parallelen Erkundungen: der archäologischen Ausgrabung des mittelalterlichen Viertels in Köln und der Suche der Autorin nach der Bedeutung ihrer jüdischen Herkunft.
Anhand der Geschichte des Kölner und des gesamten aschkenasischen Judentums beschäftigt sich der Essay „Das verschwundene Viertel“ mit den Grundlagen des europäischen Antijudaismus.
Jedes Kapitel des Essays wird von einem Gedicht aus dem Lyrikband eingeleitet. Diese Verschränkung leitet die Dramaturgie des Abends: kein Vortrag mit lyrischer Begleitung, sondern eine zweifache Ausgrabung – Schicht um Schicht. Erzählte Geschichte und ihre Reflexion treten in einen Dialog mit lyrischer Resonanz und biografischer Erdung.
Die Autoren

Agnieszka Lessmann – Lyrikerin, Hörspiel- und Prosaautorin, Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Mehrfach für den Hörspielpreis der Kriegsblinden und den Prix Europa nominiert; ihr Roman „Aga“ erschien 2025. Die Arbeit an den „Schieferbruchversen“ wurde vom Deutschen Literaturfonds gefördert.

Frank Olbert – Kulturjournalist, langjähriger Redakteur und Feuilletonchef des Kölner Stadt-Anzeiger, ausgewiesen u. a. durch seine Berichterstattung zur jüdischen Geschichte Kölns und zum MiQua. „Das verschwundene Viertel“ ist sein erstes Buch zum Thema.
