Ich freue mich sehr über die Einladung zur Kulturwoche in Erftstadt. Kommenden Montag, den 23. März 2026 werde ich dort um 19 Uhr mit meinem Roman „Aga“ im Köttinger Dorfladen zu Gast sein. Der Eintritt ist frei.
Eine besondere Freude ist es für mich auch, dass die Autorin Simone Scharbert meine Gastgeberin sein wird. In ihren Texten widmet sie sich immer wieder den Biografien von Frauen, die sich mit diskriminierenden Zuschreibungen auseinandersetzen mussten. Ich bin gespannt auf unser Gespräch über „Aga“, über die gesellschaftlichen Hintergründe des Romans und vielleicht auch über das Schreiben selbst.
Veranstaltet wird der Abend vom Verein Köttinger Dorfleben im Rahmen der Kulturwoche, mit der das Netzwerk „kult-ig“ sein zehnjähriges Bestehen feiert.
Ausschau halten nach Publikum musste Adrian Kasnitz nicht, denn das Kölner Theater „die wohngemeinschaft“ war voll – und das Publikum mucksmäuschenstill, bis auf die Lacher an den richtigen Stellen, natürlich. Und bei Peter Rosenthals Prosaband „Donnerstags“ gab es solche genug. Ein Jahr lang schrieb der Arzt und Schriftsteller jeden Donnerstag eine literarische Notiz. Und da er an diesem Tag eine Konsiliarstelle in einer Kölner psychiatrischen Klinik hat, fuhr er an fast jeden Donnerstag dieselbe Strecke, mal mit dem Fahrrad, mal mit der Bahn – aber immer vorbei an dem Baum, in dem die Kölner Sittichkolonie sich bevorzugt niederlässt. „Papageien“ nennt er sie in seinem Journal, und korrigiert sich erst fast am Schluss. Und das gehört zum Konzept, denn es geht um die höchst eigene Perspektive des Schreibenden auf eine Welt, die an diesen Donnerstagen vornehmlich aus Menschen besteht, die auf die ein oder andere Weise aus eben dieser Welt gefallen sind.
Eine eigene Perspektive hat auch Aga, die Hauptfigur meines gleichnamigen Romans, aus dem ich an diesem schönen Kölner Vorkarnevalsabend in der „wohngemeinschaft“ gelesen habe. Ob die Entdeckungen über meine Familiengeschichte weitergehen, fragte mich Adrian anschließend. Und ja, das tun sie, denn der Gedichtband, an dem ich derzeit arbeite, wird nicht nur die archäologische Ausgrabung des Kölner Judenviertels zum Thema haben, sondern in einem zweiten Strang auch die Erkundung eigener Fundstücke aus Archiven und Erzählungen. Wie verändert es die eigene Identität, wenn man unerwartete Tatsachen über die Vorfahren erfährt? Kommenden Herbst wird der Gedichtzyklus „Schieferbruchverse“ im Gans-Verlag erscheinen. Ob Adrian mich damit dann noch einmal in seinen Literaturclub einlädt? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen.
Zum Literaturclub lädt der Lyriker Adrian Kasnitz allmonatlich je zwei Autoren oder Autorinnen ein, die nicht nur mit dem Moderator und dem Publikum, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen können.
Als Schreibende haben wir uns schon während des Studiums in Köln kennengelernt. „Herr K.“ hat mittlerweile über 15 Lyrikbände vorgelegt und ist zudem nicht nur als Verleger, sondern auch als Übersetzer, Berater, Veranstalter und Literaturvermittler unermüdlich unterwegs. Seit nunmehr 26 Jahren bietet er mit dem unabhängigen Kölner Verlag parasitenpresse „einen sicheren Ort für literarische Wagnisse“, wie es in der Begründung der Jury hieß, die ihm im vorletzten Jahr den Spitzenpreis des Deutschen Verlagspreises zuerkannte.
Das war ein intensiver Lese- und Gesprächsabend im schönen Hoffnungsthal. Da so aufmerksame Publikum hatte nicht nur viele Fragen zum Roman „Aga“ und seinem historischen Hintergrund, viele teilten darüberhinaus eigene Beobachtungen, Erlebnisse und Familiengeschichten. Gastgeber Matthias Buth kam auch auf meine Gedichte zu sprechen, verglich sie mit Giuseppe Ungarettis Lyrik und beschenkte mich mit zwei Texten von Stanisław Jerzy Lec. Blumen vom Vorstand des Philomena-Franz-Forums kamen dazu. So fuhr ich also vielfach bereichert nach Hause.
Seit nunmehr vierzig Jahren lädt der Lyriker und Essayist Matthias Buth zu den Rösrather Literaturgesprächen. Hilde Domin, Erich Loest und Hans Bender gehörten ebenso zu seinen Gästen wie Peter Maiwald, Guy Helminger, Dieter Wellershoff, Norbert Scheuer und viele weitere Autorinnen und Autoren sowie Filmschaffende aus Deutschland, dem Libanon, Griechenland, Peru – die Liste ließe sich lange fortsetzen.
Besonders nachhaltig geprägt hat die Reihe Philomena Franz. Die Sintiza und Auschwitz-Überlebende trat zeitlebens unermüdlich als Zeitzeugin und Autorin auf und wurde 2021 als Ehrenbürgerin der Stadt Bergisch Gladbach gewürdigt. Nach ihr ist die Veranstaltungsreihe seither benannt. Zu einer Lesung im Rahmen des Philomena-Franz-Forums eingeladen worden zu sein, ist mir eine Ehre.
Bettina FischerTerry AlbrechtAgnieszka LessmannBüchertisch mit Christoph Danne von der Buchhandlung Bittner
Während Moderator Terry Albrecht und ich uns in der Bibliothek noch ein wenig unterhielten, kam die Nachricht: Ausverkauft – und es warten immer noch Leute vor der Tür!
Glücklicherweise fand am Ende doch noch jeder einen Platz, wenn auch halb im Nebenraum.
Umso beeindruckender war die konzentrierte Aufmerksamkeit im Saal. Terry Albrecht führte mit großer Gelassenheit durch den Abend, stellte kluge Fragen und eröffnete dem Gespräch eine schöne Weite. Als er „Aga“ schließlich sogar zu seinem „Buch des Jahres“ erklärte, war das ein Moment, den ich nicht vergessen werde.
Was mich besonders berührte: die vielen Menschen, die mir von ihren Kindheits- und Migrationserlebnissen erzählten, während ich ihre Bücher signierte.
Restlos ausverkauft war schließlich auch der Büchertisch, den Christoph Danne von der Buchhandlung Bittner aufgebaut hatte.
Mein herzlicher Dank gilt Bettina Fischer und dem Team des Kölner Literaturhauses, Terry Albrecht, Verleger Ulrich Leinz – und allen, die gekommen sind und diesen Abend zu einer ganz besonderen Buchpremiere gemacht haben.
Ákos Szolcsányi Christina KunzeAlexandru BuluczAgnieszka LessmannUlrich Leinz
In der Berliner Brotfabrik stellte der Verleger Ulrich Leinz den Gans Verlag vor – unterstützt von zwei Autoren, einer Autorin und einer Übersetzerin. Alexandru Bulucz las aus seinem aktuellen Essay-Band, dem auch der Titel der Veranstaltung entnommen war: Wie „Formulierungen aus der Felsnische“ klingen, wurde bei dieser Lesung also geklärt, und auch, dass der Verlag nicht nach einem Federvieh benannt ist.
Wie es sich für einen Hirtenjungen anfühlt, zum König gesalbt zu werden, erzählte uns Ákos Szolcsányi zusammen mit der Übersetzerin Christina Kunze in seinem Roman „David“. Und „Aga“ machte sich auf, die Mörder zu suchen und sich selbst zu finden. Es war ein vielfältiger Abend, der auf der Galerie begann und nach einer angeregten Gesprächsrunde in der Kneipe erst spät endete.