Kategorie: Lesungen

Informationen und Berichte zu Lesungen

  • Am Kennedyplatz

    Am Kennedyplatz

    J.F. Kennedy lächelte mich an, als ich das Literaturhaus Darmstadt betrat. Seine Bronzebüste im Foyer erinnert an Zeiten, als dieses Gebäude noch Amerikahaus hieß und die Welt wie eine zunehmend offene und freundliche Landschaft erschien. Fünf Jahre nach Kennedys Ermordung setzt der Roman „Aga“ ein, aus dem ich an diesem Abend im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen las.

    „Die polnischen Wörter leben in einer entlegenen Landschaft. Sie liegt ruhig da in der Nachmittagssonne und hält alles bereit, was man sich wünschen kann, Täler und Berge, Städte und Seen, und Wälder natürlich, unendliche polnische Wälder voller Blaubeeren und Vogelstimmen, deren geheimnisvolle Klangfolgen es zu erkunden gilt. Leider nur ist diese Landschaft unerreichbar.“

    Andrzej Kaluza vom Deutschen Polen-Institut, der den Abend im Literaturhaus Darmstadt moderierte, interessierte sich vor allem für dieses Motiv, das sich durch den ganzen Roman zieht: die Sprache, das Ankommen in Deutschland, das Sich-Einrichten in einem Land, dessen Wörter man erst noch an die richtigen Gegenstände kleben muss. Und daneben, fast unbemerkt, das Verschwinden des Polnischen. Aga lernt nicht einfach eine Sprache dazu. Sie verliert dabei auch eine: ihre Muttersprache.

    Für einige im Saal war das mehr als ein literarisches Motiv.  Wie Aga, wie ich, mussten sie Polen im Zuge der antisemitischen Kampagne der polnischen Regierung von 1968 verlassen. Und es war für mich eine große Bereicherung, ihre Details und Beobachtungen zu dieser erzwungenen Ausreise zu hören. 

    Die Jüdischen Kulturwochen 2026 laufen noch bis zum 6. Dezember, eingeladen hatte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. „Nähe schaffen, wo Vorurteile wachsen“ — so hat Daniel Neumann von der Jüdischen Gemeinde Darmstadt beschrieben, worum es dabei geht. An diesem Abend habe ich intensiv erlebt, wie das gelingt.

  • Aga im Jawne

    Aga im Jawne

    Es ist ein besonderer Ort, und er ist erstaunlich wenigen Leuten bekannt. Nicht weit vom Kölner Neumarkt, nur um eine Ecke entfernt von der Buchhandlung Bittner liegt der Erich-Klibansky-Platz, dort wo die St.-Apern- und die Helenenstraße aufeinanderstoßen. Der Mann nach dem er benannt ist, leitete das jüdische Reform-Realgymnasium Jawne von 1929 bis zum Jahr 1942. Hellsichtig erkannte er schon bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten die Gefahr. Er organisierte für die ihm anvertrauten Kinder ein Netz von Hostels in England und es gelang ihm mehr als 130 seiner Schüler und Schülerinnen auf Kindertransporte nach England zu schicken, bevor die Grenzen im September 1939 geschlossen wurden. Sich und seine Familie konnte er jedoch nicht retten, sie wurden am 20. Juli 1942 deportiert und in der Nähe von Minsk erschossen.

    Am Erich-Klibansky-Platz, dort wo sich von 1884 bis 1942 ein Zentrum jüdischen Lebens in Köln befand, betreibt ein engagierter Verein heute den „Lern- und Gedenkort Jawne“, der Forschungsprojekten, Bildungsangeboten, Ausstellungen und Lesungen Raum gibt. Regelmäßig veranstaltet das Kulturprojekt „Judaica Cologne“ hier den „Jawne Salon“. Es ist mir eine Ehre, in diesem Rahmen meinen Roman „Aga“ vorstellen zu dürfen.

    ☞ Sonntag, 27. September 2026,  11 Uhr

    Lern- und Gedenkort Jawne

    Albertusstraße 26 / Erich-Klibansky-Platz

    Das Beitragsfoto zeigt die Bronzefigur „Löwen von Juda“, Detail der Kindergedenkstätte Löwenbrunnen von Hermann Gurfinkel, Erich-Klibansky-Platz, Köln

    Meta und Erich Klibansky


     Meta und Erich Klibansky (Foto: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln / Sammlung Corbach)

  • Aga – warm ums Herz

    Aga – warm ums Herz

    Der originelle Schlängel-Tisch kann nicht nur dazu dienen, viele Bücher auf kleinem Raum auszulegen und die interessierten Kund:innen miteinander ins Gespräch zu bringen, er ist auch ein hervorragender Abstelltisch für Snacks und Getränke. Mit gastlicher Umsicht gestaltete das Team der Litty Buchhandlung den Raum für diesen Leseabend in der Kölner Südstadt gemütlich und anregend zugleich. Simone Scharbert und ich kamen denn auch intensiv ins Gespräch, das Publikum ging sowohl bei den komischen wie auch bei den traurigen Stellen des Romans empathisch mit und trug im Anschluss viele Fragen und eigene Beobachtungen bei.  Besonders die Frage, wie die Shoah in der Schule vermittelt wurde und wird, beschäftigte die Anwesenden.

    Bei einem Leseabend mit einem Buch, das sich mit den Folgen der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland beschäftigt, konnte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht unerwähnt bleiben. Simone fragte mich, wie ich das Ergebnis im Hinblick auf die Erinnerung an die Shoah sehe. Und natürlich sehe ich es mit großer Sorge, dass sich fast 44 Prozent der Wähler:innen in einem deutschen Bundesland für eine rechtsextreme Partei entscheiden, die unter anderem den Gedenkstätten die finanzielle Grundlage entziehen will. 

    Und nicht nur das. Im Wahlprogramm wendet sich die AfD gegen „kulturfremde Fachkräfte“. Eine unverhohlene Diskriminierung.

    Sie sei sehr deprimiert gewesen seit Sonntagabend, sagte eine junge Frau und sprach damit wohl vielen der Anwesenden aus dem Herzen. Dieser Leseabend habe sie wieder zuversichtlich gemacht. Wenn das nicht das schönste Feedback ist, das man als Autorin bekommen kann! Mir ist immer noch ganz warm ums Herz.

  • Schieferbruchverse –   
Eine doppelte Ausgrabung

    Schieferbruchverse – Eine doppelte Ausgrabung

    Ich freue mich schon lange auf diese Ankündigung: Im Oktober erscheint mein neuer Gedichtband „Schieferbruchverse“ im Gans Verlag!

    Im Zentrum steht eine doppelte Ausgrabung: die archäologische Freilegung des mittelalterlichen jüdischen Viertels in Köln und die Sondierung von Dokumenten, die ich bei der Recherche meiner eigenen Familiengeschichte gefunden habe.

    Möglich gemacht hat die intensive Arbeit an diesem Gedichtzyklus ein einjähriges Stipendium des Deutschen Literaturfonds – dafür bin ich sehr dankbar.

    Ebenso danke ich dem Verleger Ulrich Leinz, der im Gans Verlag eine ganz besondere Doppelveröffentlichung auf den Weg bringt: Im Oktober erscheinen zeitgleich mein Gedichtband „Schieferbruchverse“ und der Essay „Das verschwundene Viertel“ von Frank Olbert, der sich der jüdischen Geschichte Kölns im Mittelalter und der erinnerungspolitischen Bedeutung des im Bau befindlichen Museums MiQua annimmt. 

    Gedichtzyklus und historischer Essay sind jeweils eigenständige Werke, aber wie ihre Autor:innen stehen sie miteinander im Dialog. 

    „Lyrik und Essay im Dialog“ nennen wir denn auch unsere gemeinsame Buchpremiere: 

    Sie findet am 12. November 2026 um 19 Uhr im Interim der Kölner Zentralbibliothek statt, als Kooperation des Literatur-in-Köln-Archivs (LiK), der Buchhandlung Klaus Bittner und der Germania Judaica, der Bibliothek des deutschsprachigen Judentums in Europa. 

    Bereits am 9. Oktober stellen wir beide Bücher auch auf der Frankfurter Buchmesse vor. Dort lesen wir um 16:30 Uhr auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage – live und auf Youtube.

    Am Abend um 20:45 Uhr lesen wir dann in der Frankfurter Galerie Eulengasse.

    Beim Gans Verlag kann man die „Schieferbruchverse“ und den Essay „Das verschwundene Viertel“ jetzt schon vorbestellen.

  • Aga bei den Jüdischen Kulturwochen in Darmstadt

    Aga bei den Jüdischen Kulturwochen in Darmstadt

    „Nähe schaffen, wo Vorurteile wachsen, und Begegnung, wo andere Mauern errichten“ – so beschreibt Daniel Neumann, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Darmstadt das Ziel der Jüdischen Kulturwochen Darmstadt 2026.

    Am 1. September – selbst ein historisches Datum – werden sie mit einem Gespräch eröffnet: Paul Ronzheimer spricht mit Michel Friedman über das Thema „Demokratie unter Druck“.

    Bis zum 6. Dezember werden dann Musik, Lesungen, Vorträge, Workshops, Führungen, Comedy und Performances die Vielfalt jüdischen Schaffens vorstellen.

    Ich freue mich sehr, dass ich mit einer Lesung aus „Aga“ dabei sein darf. Sie findet am 16. September 2026 um 19 Uhr im Literaturhaus Darmstadt statt und wird von Dr. Andrzej Kaluza vom Deutschen Polen-Institut moderiert. Auf das Gespräch mit dem Gemanisten und promivierten Politologen bin ich sehr gespannt, sicher wird der historische Hintergrund des Romans, die antisemitische Kampagne im Polen des Jahres 1968, Thema sein.

    Das vollständige Programm der Jüdischen Kulturwochen 2026 gibt es unter https://jg-darmstadt.de/

  • Aga in der Kölner Südstadt

    Aga in der Kölner Südstadt

    Sehr gerne erinnere ich mich an meine Lesung aus „Aga“ im Köttinger Dorfladen, zu dem mich Simone Scharbert im März eingeladen hatte. Es war ein intensiver Lese-Abend und ein lebhaftes Gespräch, das wir nun in der Buchhandlung Litty in der Kölner Südstadt fortsetzen dürfen. 

    Ein langer Tisch schlängelt sich durch den Raum der erst vor etwas mehr als zwei Jahren gegründeten Buchhandlung, was nicht nur hübsch aussieht, sondern auch Platz für viele Bücher bietet, die man von beiden Seiten der vier hellen Holzmodule aus in die Hand nehmen kann. Wenn sich dabei das ein oder andere Gespräch unter den Leseinteressierten ergibt, ist das ganz im Sinne der Buchhändlerin Sabine Horstmann, die auch regelmäßig zu Lesungen und Leseclubs einlädt. 

    Am 9. September 2026 um 19:30 Uhr lese ich in der Buchhandlung Litty, Kurfürstenstr. 29 in Köln aus „Aga“. Simone Scharbert, Autorin von drei Romanen und mehreren Lyrikbänden, und soeben mit dem renommierten W.G.Sebald-Preis geehrt, wird den Abend moderieren. Eine große Freude!

    Simone Scharbert und Agnieszka Lessmann
  • Aga im September

    Aga im September

    Lesungen „Aga“ im September:

    • Mittwoch, 9. September 2026, 19:30 Uhr, Buchhandlung Litty, Köln
    • Mittwoch, 16. September 2026, 19 Uhr, Literaturhaus Darmstadt
    • Sonntag, 27. September 2026, 11 Uhr, Jawne Salon, Köln
  • Aga – mittendrin!

    Aga – mittendrin!

    Mein Roman „Aga“ ist in das Kooperationsprojekt zur Großen Landesausstellung „Mittendrin – Jüdisches Leben im Südwesten“ aufgenommen worden. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg koordiniert dieses landesweite Programm, das vom 15.10.2026 bis zum 9.1.2028 läuft und Kommunen, Museen, Gedenkstätten, Schulen, Kulturzentren und Vereine in Baden-Württemberg miteinander vernetzt – von Ausstellungen und Vorträgen bis zu Lesereisen.

    Meine Lesung aus „Aga“ ist damit eine  der Veranstaltungen, die im Rahmen dieser Kooperation stattfinden können.

    Wer Interesse hat: Museen, Gedenkstätten, Schulen, Kulturzentren, Vereine und andere Veranstalter in Baden-Württemberg können mich im Rahmen des Projekts einladen. Die Teilnahme ist Teil der Kooperation mit dem Haus der Geschichte – für Veranstalter bleibt der organisatorische und finanzielle Aufwand entsprechend gering.

    Vom 3. bis zum 20. Juni 2027 bin ich auf jeden Fall in Baden-Württemberg. Anfragen für diesen Zeitraum sind besonders unkompliziert.

    Interesse?

  • Aga bei HaKochav

    Aga bei HaKochav

    So gastfreundlich wie in der Synagoge der liberalen Gemeinde HaKochav in Unna wird man selten empfangen. Im Ruheraum Backstage gab es erst einmal Kaffee und Kuchen, bevor der ehemalige Bundestagsabgeordnete, der Buchhändler Michael Sacher mich dem Publikum vorstellte. Unter einem von der Decke flimmernden Sternenhimmel und vor dem schönen Thoraschrank durfte ich dann in der modern, klar und zugleich anheimelnd gestalteten Unnaer Synagoge aus „Aga“ lesen. Eingeladen hatte mich die Gemeindevorsitzende Alexandra Khariakova, gekommen sind nicht nur Mitglieder der von ihr vor neunzehn Jahren gegründeten Gemeinde, sondern auch weitere sehr aufmerksame Zuhörer. Das Gebäude, so erzählte sie mir beim anschließenden Abendessen mit Borschtsch und Fisch, hat die evangelische Gemeinde zur Verfügung gestellt. Und auf Nachfrage verriet sie dann auch noch, dass der in der Hilfe für Geflüchtete (jeglicher Herkunft) sehr engagierten Gemeinde eine große Ehrung bevorsteht. Kommenden Monat nämlich erhält Alexandra Kharikova das Bundesverdienstkreuz.

    Im Gespräch mit dem Publikum kamen wir auf den in den letzten Jahren so erschreckend angewachsenen Antisemitismus zu sprechen. In Unna jedenfalls, so versicherte mir Frau Khariakova, fühle die jüdische Gemeinde sich wohl und angenommen.

    Dazu ein Zitat aus „Aga“:


    „Wie man eine Kerze anzündet, lerne ich von Rena. Es macht nichts, wenn der Luftzug sie wieder ausbläst. Du musst sie einfach nochmal anzünden. Immer und immer wieder. Und wenn du dein Leben mit nichts anderem verbringst.“

  • Aga in der Synagoge von Unna

    Aga in der Synagoge von Unna

    „Eines Tages kam unsere Tochter aus der Schule und erzählte von Kindern, die das Wort ‚Jude‘ als Schimpfwort benutzen. Ich gebe zu, ich habe ihr zuerst nicht glauben wollen.“

    Die Zeilen stammen aus meinem Roman „Aga“.

    Er handelt vom Verschwinden und Wiederfinden. Was verschwindet, ist der Name eines Kindes. Die Familie flieht vor einer antisemitischen Kampagne — von Polen über Israel nach Deutschland. Der Vater meldet die Tochter an der deutschen Schule mit einem deutschen Namen an. Um sie zu schützen. Es dauert lange, bis sie das versteht. Ihre Geschichte kann sie erst erzählen, als sie jemanden findet, der sich wirklich dafür interessiert.

    „Aga“ erzählt, was es hieß, im Westdeutschland der 70er und 80er Jahre als Kind eines Überlebenden der Shoah aufzuwachsen. Vom Schweigen in den Familien. Von der Vorsicht der Eltern. Von merkwürdigen Reaktionen der Umwelt. Davon, was sich unter einem deutschen Namen verbergen ließ — und was nicht.

    Ich freue mich darauf, den Roman in der Synagoge in Unna vorzustellen:

    Am Sonntag, den 31. Mai 2026 um 16 Uhr.

    Anmeldung unter: ha-kochaw@liberale-juden.de