Sekt und Brezeln gab es auf der Frankfurter Buchmesse schon im Foyer, noch vor der Verleihung des Deutschen Verlagspreises. Diese Stärkung war auch dringend nötig, galt es doch danach im Saal ein echtes Marathon zu absolvieren: Jeder der 85 ausgezeichneten Verlage bekam den ihm gebührenden Applaus. Unter ihnen war auch der Gans Verlag – und als echte Gänse freuten Frank Olbert und ich uns natürlich ganz besonders mit unserem Verleger Ulrich Leinz.

Danach blieb noch Zeit für einen Abstecher zum Stand des Deutschen Literaturfonds, wo sich mein vom Fonds geförderter Gedichtband „Schieferbruchverse“ gut im Regal machte. Und schon ging es weiter zur Leseinsel der unabhängigen Verlage. Es war der erste Publikumstag, und weil die Leseinsel in diesem Jahr im Erdgeschoss stand, herrschte ringsum Trubel. Vom Nachbarstand tönten Hörbuchausschnitte, Menschen strömten hin und her. Gar nicht so einfach, inmitten dieses Lärms Gedichte zu lesen. Doch das konzentrierte Publikum half uns, bei unserem Gespräch und unseren Texten zu bleiben. Erstaunt hat mich hinterher, wie wenig man dem YouTube-Video von dem Gewusel rund um die Bühne anmerkt.

Am Abend dann der Ausstellungsraum Eulengasse in Bornheim – und mit ihm die Stille. Umgeben von den Papiercollagen und Fotografien des Künstlers Matthias Rudolph stellten Frank Olbert und ich unsere Bücher wieder im Dialog vor. Vom jüdischen Viertel Kölns, das im Mittelalter einem Pogrom und in der Nachkriegszeit der Ignoranz zum Opfer fiel, von der langen Tradition des Judenhasses erzählt Frank Olberts Essay „Das verschwundene Viertel“. Mein Gedichtzyklus verbindet die jüdische Geschichte Kölns mit der Suche nach der Bedeutung meiner jüdischen Wurzeln. Und wir sprachen darüber, was der 7. Oktober 2023 für uns und für die Arbeit an unseren Büchern bedeutet hat. Der Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt, und auch hier hörte das Publikum gebannt zu – diesmal ohne jedes Hintergrundrauschen.






















