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  • Aga in der Synagoge von Unna

    Aga in der Synagoge von Unna

    „Eines Tages kam unsere Tochter aus der Schule und erzählte von Kindern, die das Wort ‚Jude‘ als Schimpfwort benutzen. Ich gebe zu, ich habe ihr zuerst nicht glauben wollen.“

    Die Zeilen stammen aus meinem Roman „Aga“.

    Er handelt vom Verschwinden und Wiederfinden. Was verschwindet, ist der Name eines Kindes. Die Familie flieht vor einer antisemitischen Kampagne — von Polen über Israel nach Deutschland. Der Vater meldet die Tochter an der deutschen Schule mit einem deutschen Namen an. Um sie zu schützen. Es dauert lange, bis sie das versteht. Ihre Geschichte kann sie erst erzählen, als sie jemanden findet, der sich wirklich dafür interessiert.

    „Aga“ erzählt, was es hieß, im Westdeutschland der 70er und 80er Jahre als Kind eines Überlebenden der Shoah aufzuwachsen. Vom Schweigen in den Familien. Von der Vorsicht der Eltern. Von merkwürdigen Reaktionen der Umwelt. Davon, was sich unter einem deutschen Namen verbergen ließ — und was nicht.

    Ich freue mich darauf, den Roman in der Synagoge in Unna vorzustellen:

    Am Sonntag, den 31. Mai 2026 um 16 Uhr.

    Anmeldung unter: ha-kochaw@liberale-juden.de

  • Aga im Museum

    Aga im Museum

    Für das Internetportal „Porta Polonica“ des Westfälischen Landesmuseums hat der Schriftsteller und Publizist Anselm Neft mich interviewt und ein Porträt von mir erstellt. Nun gibt es mich also auch im Museum. Aber keine Sorge, ich setze bestimmt keinen Staub an, sondern begreife diese Ehre als Ansporn.

    Über meinen aktuellen Roman schreibt Neft:

    „Aga“ ist ein autofiktionales Werk, das die Kindheit und Jugend unter traumatisierten Menschen einfühlsam und poetisch schildert und nachfühlbar macht. Hier erfährt man auch mehr über Lessmanns Vater und andere Holocaust-Überlebende, die die kindliche Agnieszka bei ihrer Ankunft in Deutschland in einem Haus der jüdischen Gemeinde erlebt.

    Der Begriff „multigenerationale Traumaweitergabe“ ist im Sprechen über Literatur mittlerweile etwas abgenutzt. Aber „Aga“ ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie man sich dem Themenkomplex nähern kann. Aus der Sicht eines Kindes erzählt, müssen wir uns auf das einlassen, was wir gerne unter schlauen Begriffen und einstudierten Betroffenheitsposen begraben würden: aufs Fühlen.“

    zum
    Internetportal Porta Polonica des Westfälischen Landesmuseums

  • Geschichten hinter den Stolpersteinen

    Geschichten hinter den Stolpersteinen

    Cover und aufgeschlagene Seite "Verfolgt und nicht vergessen"

    Dieses Haus in der St. Apernstraße war ein Zentrum jüdischen Lebens in Köln. Von 1884 bis 1942 beherbergte es eine Synagoge, ein Lehrerseminar und zwei Schulen. Was danach hier geschah, davon berichteten die Historikerin Birte Klarzyk, die Journalistin und Autorin Petra Pluwatsch und die Ehrenamtlerin Christiane Wende-Kreisel  in einem Vortragsabend des Lern- und Gedenkortes Javne an eben diesem Ort.  Nachdem die nationalsozialistischen Machthaber bestimmte Bereiche der Stadt zu Sperrzonen erklärt hatten, in denen Juden nicht mehr wohnen durften, begannen sie die Kölnerinnen und Kölner, die sie ihrer antisemitischen Ideologie folgend deportieren und ermorden wollten, in bestimmten Häusern unterzubringen. Eines davon war dieses Haus. Und eine seiner zwangsweisen Bewohnerinnen war Margarethe Joseph, deren Lebensgeschichte Petra Pluwatsch vor einem überrraschend zahlreich erschienenen Publikum erzählte, sodass zu Beginn der Veranstaltung noch etwas gerückt und geschoben werden musste, um alle Interessierten unterzubringen. Zwölf solcher „Geschichten hinter den Stolpersteinen“ hat die ehemalige Chefreporterin des Kölner Stadt-Anzeiger für ihr Buch „Verfolgt und nicht vergessen“ in langwieriger Kleinarbeit recherchiert und in ihrem sachlichen, dabei sehr einfühlsamen und anschaulichen Stil erzählt.

    Margarethe Joseph war in den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wohl nahezu jedem Kölner und jeder Kölnerin bekannt, die von Zeit zu Zeit neue Schuhe brauchten. Sie hat ihr ganzes Leben in einer Wohnung in der Schildergasse 57 verbracht, direkt über dem Schuhhaus Joseph, das ihr Vater gründete, ihr Neffe später fortführte und das dank ihres unermüdlichen Engagements zu dem führenden Schuhhaus in Köln wurde. Im Alter von 77 Jahren hat sie sich das Leben genommen. Sie hat sich am Vorabend ihrer geplanten Deportation aus einem Fenster des Hauses in der St. Apernstraße gestürzt, des Ortes also, an dem wir an diesem Vorfrühlingsabend des Jahres 2024 ihre Geschichte hörten.  Ein tief bewegender Abend.