Fluchtzustand Cover

Fluchtzustand

Lyrik

Der Fluchtzustand ist ein Menschheitszustand seit jeher, doch jede Generation muss ihn schmerzhaft selbst durchleben, als wäre er einzigartig und neu. 

manchmal verwirren sich Orte
und Träume von Schiffen
Wände, auf die ich sah
und Wege, die ich ging
schieben sich ineinander
zu Seelenlabyrinth

aus dem Gedicht „Fluchtzustand“

Agnieszka Lessmann begibt sich mit ihren Gedichten mitten hinein in ein Gebiet, das derzeit die aktuellen Nachrichten bestimmt. Flucht, Vertreibung, Emigration, Heimat, deren Verlust und die Suche danach, dies bestimmt die gesellschaftliche Debatte. Aber sie erweitert die Perspektive ihrer mal notathaften, mal balladesken Texte ins Historische: Der Fluchtzustand ist ein Menschheitszustand seit jeher, doch jede Generation muss ihn schmerzhaft selbst durchleben, als wäre er einzigartig und neu. Dabei dekliniert die in Polen geborene, in Israel und Deutschland aufgewachsene Autorin Geschichte anhand der Erfahrung der eigenen Familie durch. Das Wissen um die Größe des Fluchtzustands, der die eigene Person transzendiert, und biografische Konkretion durchdringen einander und fügen sich zu einer modernen Verserzählung von hoher Wahrhaftigkeit und Intensität.

Agnieszka Lessmann „Fluchtzustand. Gedichte“, Nettetal 2020.( ISBN 978-3-946989-8)

Stimmen zum Buch

„Die Kölner Autorin Agnieszka Lessmann kann in einem Gedicht leicht und anschaulich vom Meer erzählen, vom Wind, Licht, Sand, der alles zudeckt. Und im nächsten Text von der Verlorenheit des Menschen, der unterwegs ist (…) Da bemerkt man auf einmal, dass sie miteinander sprechen, die Gedichte, die im Band „Fluchtzustand“ versammelt sind. (…) Schon in ihren Hörstücken ist ihre Sprache dicht, intensiv, bildreich – so wie nun auch ihre Gedichte.“

Dorothee Krings, Rheinische Post vom 24.02.2020

„Mithin geht ein tiefer Riss durch Welt und Sprache. Jäh werden in den Poemen Lessmanns immer wieder Sätze durch unvorhersehbare Einschübe unterbrochen – ganz so, als würden Bomben in die Verse stürzen. Was alle Gedichte, ob die politischen oder jene über die Küstenlandschaft, eint, ist der Blick des Beobachters, der uns vereinnahmt, beseelt oder bisweilen tief schockiert.“

Björn Hayer, Berliner Zeitung vom 07.07.2020

„Diese Gedichte sind poetische Bohrkerne aus dem Erinnerungsgebiet, „eingesammelte Lebenszeit“, aus Träumen und Verlusterfahrungen, Ängsten und Sinneseindrücken. So macht Agnieszka Lessmann deutlich, dass der „Fluchtzustand“ eine überhistorische Erfahrung darstellt und als Herausforderung stetig präsent bleibt.“

Roberto Di Bella, Leseempfehlung auf der Facebook-Seite des Literaturhauses Köln

„Für die vielen Facetten dessen, was Heimatverlust bedeutet, was die Unsicherheit des Ankommens in einer fremden Welt heißt, wie der Bruch zwischen Vergangenheit und ungewisser Zukunft vonstatten geht, für diese Facetten findet und nutzt Lessmann in ihrem ersten Gedichtband verschiedene Formen: Mal in kürzester Verdichtung wie in „Mutter Sprache“, mal in fast balladenhafter Langform, mal lautmalerisch, mal direkt und mitten ins Mark.
Und mit Bildern, die sich einprägen.“


Birgit Boellinger, Im Lyrikraum, 09.02.2020