Krakeelende Sittiche und die Suche nach dem verlorenen Namen

Adrian Kasnitz, Agnieszka Lessmann und Peter Rosenthal im Theater die wohngemeinschaft

Ausschau halten nach Publikum musste Adrian Kasnitz nicht, denn das Kölner Theater „die wohngemeinschaft“ war voll – und das Publikum mucksmäuschenstill, bis auf die Lacher an den richtigen Stellen, natürlich. Und bei Peter Rosenthals Prosaband „Donnerstags“ gab es solche genug. Ein Jahr lang schrieb der Arzt und Schriftsteller jeden Donnerstag eine literarische Notiz. Und da er an diesem Tag eine Konsiliarstelle in einer Kölner psychiatrischen Klinik hat, fuhr er an fast jeden Donnerstag dieselbe Strecke, mal mit dem Fahrrad, mal mit der Bahn – aber immer vorbei an dem Baum, in dem die Kölner Sittichkolonie sich bevorzugt niederlässt. „Papageien“ nennt er sie in seinem Journal, und korrigiert sich erst fast am Schluss. Und das gehört zum Konzept, denn es geht um die höchst eigene Perspektive des Schreibenden auf eine Welt, die an diesen Donnerstagen vornehmlich aus Menschen besteht, die auf die ein oder andere Weise aus eben dieser Welt gefallen sind.

Eine eigene Perspektive hat auch Aga, die Hauptfigur meines gleichnamigen Romans, aus dem ich an diesem schönen Kölner Vorkarnevalsabend in der „wohngemeinschaft“ gelesen habe. Ob die Entdeckungen über meine Familiengeschichte weitergehen, fragte mich Adrian anschließend. Und ja, das tun sie, denn der Gedichtband, an dem ich derzeit arbeite, wird nicht nur die archäologische Ausgrabung des Kölner Judenviertels zum Thema haben, sondern in einem zweiten Strang auch die Erkundung  eigener Fundstücke aus Archiven und Erzählungen. Wie verändert es die eigene Identität, wenn man unerwartete Tatsachen über die Vorfahren erfährt? Kommenden Herbst wird der Gedichtzyklus „Schieferbruchverse“ im Gans-Verlag erscheinen. Ob Adrian mich damit dann noch einmal in seinen Literaturclub einlädt? Ich würde mich jedenfalls sehr freuen.

Zum Literaturclub lädt der Lyriker Adrian Kasnitz  allmonatlich je zwei Autoren oder Autorinnen ein, die nicht nur mit dem Moderator und dem Publikum, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen können. 

Als Schreibende haben wir uns schon während des Studiums in Köln kennengelernt. „Herr K.“ hat mittlerweile über 15 Lyrikbände vorgelegt und ist zudem nicht nur als Verleger, sondern auch als Übersetzer, Berater, Veranstalter und Literaturvermittler unermüdlich unterwegs. Seit nunmehr 26 Jahren bietet er mit dem unabhängigen Kölner Verlag parasitenpresse „einen sicheren Ort für literarische Wagnisse“, wie es in der Begründung der Jury hieß, die ihm im vorletzten Jahr den Spitzenpreis des Deutschen Verlagspreises zuerkannte.

Papierschiff

Newsletter

Ich schicke dir neue Texte, „Agas Wörterbuch“-Einträge und Hinweise auf Lesungen – direkt ins Postfach.

Hinweis: Selten, sorgfältig. Abmeldung jederzeit. Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung

Kommentare

Schreibe einen Kommentar