Aga – ein autofiktionaler Roman über das Schweigen nach der Shoah

Zwei Mal schon hat sie mit ihren Eltern die Kontinente gewechselt und den Namen gleich dazu. Nun zieht Aga ins „Land der Mörder“, so hat sie es aufgeschnappt. Angekommen in einem Haus der jüdischen Gemeinde, macht sich das kleine Mädchen auf die Suche nach ihnen. Erik Ode, der Kommissar, den sie im Fernsehen kennenlernt, hilft ihr dabei.

Agnieszka Lessmanns autobiografisch gefärbter Roman erzählt subtil, wie das Schweigen der Überlebenden den Nachkommen zur Last wird – und wie ihre heranwachsende Hauptfigur in gewitzter Selbstbehauptung die Hoffnung auf Heilung  nie aufgibt.

Nach der antisemitischen Hetze der Kommunistischen Partei Polens im Jahr 1968, die ihre Eltern zwang, ihre Heimat zu verlassen, kommt Aga über Israel nach Deutschland. Es ist etwas Merkwürdiges mit  dem Haus, in dem sie nun wohnt. Es steht neben einer Kaserne, auf deren Tennisplatz amerikanische Soldaten ihre Freizeit verbringen, und dem Garten eines ehemaligen Klosters, in dem Hippies Bäume pflanzen. Dazwischen wuchern die kindlichen Fantasien. 

Das Verschwiegene bricht sich schließlich Bahn in einem tatsächlichen Mord. Schritt für Schritt beginnt Aga die leeren Stellen in den Erinnerungen zu füllen. Dafür aber muss sie erst ihren richtigen Namen wiederfinden. Mit der Hauptfigur reifen ihre Sprache und ihr Verständnis.

Ein Roman über das Schweigen nach der Shoah, und eine Geschichte darüber, was nötig ist, um es zu überwinden. Auch eine Liebesgeschichte.

 Agnieszka Lessmann: „Aga“. Roman, Gans Verlag, Berlin. ISBN 978-3-946392-60-6

Hintergrund

In meinem Blog veröffentliche ich Beiträge zum historischen und gesellschaftlichen Kontext des Romans. Ihr findet sie in der Kategorie „Kontext“.

Stimmen zu „Aga“


Es ist „Lessmanns literarisches Schreiben, das von einem tiefen Verständnis der Gedankenwelt ihrer Protagonistin zeugt, die sie zärtlich an der Hand nimmt, durch das feindliche Land führt, straucheln lässt, aber auch dafür sorgt, dass sie in den Traumata der Erwachsenen nicht ertrinkt. Behutsam lässt sie Aga erwachsen werden, nach der eigenen Vergangenheit suchen, Erklärungen in der Gegenwart finden.“

Sara Klatt, Jüdische Allgemeine


„Agnieszka Lessmann hat mit ihrem Debütroman „Aga“ ein vielschichtiges und vielstimmiges Werk vorgelegt. In der Genauigkeit, mit der sie die Sätze komponiert, erkennt man die Lyrikerin, in den genauen Dialogen die Hörspielautorin mit ihrem feinen Gespür für Wortwitz und Dramaturgie. Denn das ist dieses Buch auch: spannend, humorvoll und leicht.„

Anke Glasmacher, Siganturen-Magazin


„Aga ist eine eindringliche Mischung aus Memoir und Migrationsgeschichte und ein Buch über die Suche nach Heimat und Zugehörigkeit.“

Thorsten Keller, Berliner Morgenpost


„Der Hörspielautorin und Lyrikerin gelingt das Kunststück, schnörkellos und mit dem entwaffnenden Witz eines Kindes von Verlust und Neuanfang zu erzählen. …Die Schicksale ermordeter Familienmitglieder und ihres Vaters sind die dunklen, tieftraurigen Momente dieses dichten, großartigen Romans.“

Ilona Kunow, Münchner Feuilleton