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Cover "Schieferbruchverse"

Gedichtzyklus · 2026

Schieferbruchverse

Eine doppelte Ausgrabung

Gans Verlag, Berlin, Oktober 2026
ISBN 978-3-946392-81-1
Gefördert durch den Deutschen Literaturfonds

Bei der Ausgrabung des jüdischen Viertels in Köln waren sie achtlos weggeworfen worden, diese Stücke Schiefer, die man für Abfälle vom Dachbau hielt, bis jemandem zufällig auffiel, dass ein Teil der großen Menge Schindelstücke, die man täglich fand, Ritzungen aufwies: hebräische Buchstaben.

Der Gedichtzyklus „Schieferbruchverse“ erzählt von zwei parallelen Erkundungen: der archäologischen Ausgrabung des mittelalterlichen jüdischen Viertels in Köln und der persönlichen Suche der Autorin nach der Bedeutung ihrer jüdischen Herkunft.

Während das jüdische Viertel Kölns im Jahr 1349 durch ein Pogrom zerstört wurde, erfuhr Agnieszka Lessmann ihre jüdische Identität zunächst vor allem durch Ausgrenzung: Ihr Vater, Überlebender der Shoah, musste seine polnische Heimat 1968 mit ihr und ihrer Mutter wegen einer antisemitischen Kampagne verlassen. Lyrisch tastend, die Bedeutungs- und Zeitschichten der Sprache abklopfend, spürt sie der Resonanz nach, die historische Dokumente, archäologische Funde, abgebrochene Erzählungen und Gesprächsfetzen in ihr hinterlassen.

In der Auseinandersetzung mit den Buchstaben und mit den verschiedenen Sprachschichten, vom Mittelhochdeutschen und Althebräischen über das Jiddische bis zum modernen Deutsch, Polnisch und Hebräisch erkunden die Texte nicht nur eine komplexe Identität, sondern zugleich auch ihre Verflochtenheit in eine wechselseitig sich bedingende, gemeinsame Geschichte europäischer Juden und Christen.

Der 7. Oktober 2023 prallt in diese behutsame Annäherung und zwingt die Sprecherin, eine neue Sprache für eine bisher unbekannte Identität zu finden.

Agnieszka Lessmann: „Schieferbruchverse“. Gedichte. Gans Verlag, Berlin, Oktober 2026. ISBN 978-3-946392-81-1. Gefördert durch den Deutschen Literaturfonds.

Hintergrund

Im Blog erscheinen Beiträge zum historischen und gesellschaftlichen Kontext der Texte (Kategorie „Kontext“) sowie Gedichte aus diesem und anderen Bänden (Kategorie „Lyrik“).

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