Große Aufmerksamkeit und viele Fragen brachten die Menschen mit, die an diesem sonnigen und warmen Herbstmorgen den Weg zum Erich-Klibansky-Platz fanden. Im gut gefüllten Saal des Lern- und Gedenkortes Jawne las ich aus meinem Roman „Aga“ und sprach mit Moderator Peter Veil über meine neugierige Heldin und die kindlichen Fantasien, mit denen sie die Leerräume füllt, die das Schweigen der Erwachsenen hinterlässt.
In einer kleinen Sneak-Preview stellten wir am Ende noch meinen soeben frisch gedruckten Gedichtband „Schieferbruchverse“ vor. Er führt die Frage nach der Identität fort, die sich schon dem kleinen Mädchen mit den vielen Namen stellte, und verbindet sie mit der Suche nach der jüdischen Identität der Stadt, die ich nun seit mehr als fünfzig Jahren als meine Heimat empfinde – Köln.
Salon-Atmosphäre entstand beim anschließenden Kaffee mit Keksen. Eine wirkliche Bereicherung war das, denn hier konnte ich auf all die Fragen und Anregungen eingehen, über die sich im kleinen Kreis besser sprechen lässt. Eine dieser vielen interessanten Beobachtungen möchte ich an euch, die Leserinnen und Leser dieses Blogs, weitergeben:
Ich hatte in der Lesung mehrfach von „Personen jüdischer Herkunft“ gesprochen, und dieser Ausdruck hat zwei sehr verschiedene Gesichter. Zum einen wurden 1968 in Polen Menschen so bezeichnet, denen man unterstellte, als „Zionisten“ Agenten des israelischen Staates zu sein. Gemeint waren Menschen, die nach ihrer Abstammung als Juden galten, gleichgültig, wie sie selbst sich verstanden. Die Formel diente also dazu, eine rassistische Zuschreibung notdürftig zu verschleiern.
Man kann den Ausdruck aber auch ganz sachlich gebrauchen, für Menschen mit jüdischen Wurzeln, die sich mit diesen Wurzeln durchaus identifizieren, sich selbst aber nicht als Juden oder Jüdinnen bezeichnen würden.
Eine Besucherin erzählte mir daraufhin etwas, das mich seither beschäftigt. Spricht sie von jemandem als Jude oder Jüdin, erlebt sie oft ein leichtes Zusammenzucken. Eine Anspannung entsteht, die sehr viel geringer ist oder ganz ausbleibt, wenn sie von jemandem erzählt, der „nur“ jüdischer Herkunft sei.
Im Salon blieb diese Beobachtung im Raum stehen. Vielleicht kann sie hier weiterwandern. Woran liegt dieses Zusammenzucken? Kennt ihr es auch?






